Ihr Pony kommt von der Weide, stellt die Vorderbeine weit nach vorn, verlagert das Gewicht auf die Trachten und will keinen Schritt über den Hof gehen. Hufrehe beim Pferd ist ein schmerzhaftes Versagen des Gewebes, das das Hufbein im Hornschuh hält, und schon der Verdacht ist ein Notfall: Rufen Sie sofort den Tierarzt. Die Ursache liegt meist nicht im Huf selbst, sondern am häufigsten im Hormonhaushalt.
Dieser Text ist für Halter, die gerade etwas Ungutes gesehen haben, oder die ein Robustpony halten und wissen wollen, worauf sie achten müssen. Eine deutsche Behörde oder einen nationalen Verband mit eigenem Halterleitfaden zur Hufrehe haben wir nicht gefunden; die Quellen hier sind amerikanisch und britisch und als solche gekennzeichnet. Und es ist keine tierärztliche Beratung: Diagnose, Medikamente und Behandlungsplan sind Sache Ihres Tierarztes.
Hufrehe-Symptome: wann Sie sofort den Tierarzt rufen
Die American Association of Equine Practitioners (AAEP), der amerikanische Verband der Pferdetierärzte, sagt in ihrem Halterleitfaden Learn to recognize the signs of laminitis: Wer Hufrehe vermutet, soll das als medizinischen Notfall behandeln und den Tierarzt umgehend verständigen. Warten Sie nicht ab, ob sich das Pferd einläuft. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Aussicht auf Heilung, so die AAEP.
- Lahmheit, besonders wenn das Pferd auf einem Kreis wendet, oder ständiges Verlagern des Gewichts von einem Fuß auf den anderen im Stand
- warme Hufe
- eine verstärkte Pulsation der Zehenarterien
- ein zögerlicher, klammer Gang, als liefe das Pferd auf Eierschalen
- die typische „Sägebock-Stellung“: die Vorderbeine nach vorn gestreckt und die Hinterbeine anders als sonst gestellt, um mehr Gewicht zu tragen
Die zurückgelehnte Haltung kennt jeder, aber sie ist nur ein Punkt dieser Liste. Ein Pferd, das nur auf der Wendung fühlig geht, oder bei dem Sie plötzlich eine Pulsation an den Hufen spüren, wo sonst keine ist, ist Grund genug zum Anruf. Für die chronische Hufrehe nennt die AAEP eine zweite Liste: Ringe in der Hufwand, die von der Zehe zu den Trachten breiter werden, eine gequetschte oder abgesenkte Sohle, eine erweiterte weiße Linie und einen dicken Mähnenkamm.
Was Sie tun, bis der Tierarzt da ist
Halten Sie das Pferd ruhig und weg vom Gras. Das Landwirtschaftsministerium der kanadischen Provinz Manitoba rät in seinem Leitfaden zur Hufrehe als schwerer, lähmender Krankheit: alles Kraftfutter auf Getreidebasis und die Weide streichen, bis zur Anweisung des Tierarztes nur Heu füttern, das Pferd auf weichen Boden wie Sand oder Späne stellen, es zum Hinlegen ermuntern und nicht bewegen. Hungern lassen soll man es ausdrücklich nicht, denn das bringt ein eigenes Risiko.
Der alte Rat, ein Rehepferd zu führen, ist falsch. Eine tierärztliche Übersichtsarbeit zur Akutbehandlung, Mitchell, Fugler und Eades (2015), hält fest, dass Boxenruhe auf guter Einstreu die Belastung der geschädigten Huflederhaut durch Bewegung verringert. Geben Sie kein Medikament, das Ihr Tierarzt nicht für genau diese Episode verordnet hat.
Was Hufrehe beim Pferd ist und warum die Ursache meist woanders liegt
Bei der Hufrehe versagt die Verbindung zwischen Hufwand und Hufbein, die ineinandergreifenden Lamellen der Huflederhaut. Werden sie schwach, kann sich das Hufbein im Huf drehen oder absinken. Der AAEP-Leitfaden bringt den Kern auf den Punkt: Die Hufrehe zeigt sich zwar in den Hufen, die eigentliche Ursache ist aber oft eine Störung an anderer Stelle im Körper.
Manitobas Leitfaden trennt dabei zwei Begriffe, die im Englischen geläufig sind: Die akute Hufrehe ist der plötzliche Schmerz- und Entzündungsschub, während „founder“ meist den langfristigen Zustand nach einer Rotation des Hufbeins meint. Diese Rotation ist genau das, was Sie mit einem frühen Anruf verhindern wollen. Eine rechtzeitige Erstbehandlung kann sie nach dem Leitfaden deutlich unwahrscheinlicher machen.
Und die Hufrehe-Ursachen? Das amerikanische Merck Veterinary Manual nennt in seinem im Juni 2024 überarbeiteten Kapitel endokrine Störungen „wahrscheinlich die häufigste zugrunde liegende Ursache“ der Hufrehe heute. Daneben stehen schwere entzündliche Erkrankungen wie eine Darmentzündung oder eine Gebärmutterentzündung, eine Überladung mit Getreide, einige Medikamente wie Kortikosteroide, Giftpflanzen und die Belastungsrehe, wenn ein einzelnes Bein übermäßig viel Gewicht tragen muss.
Die hormonelle Ursache hinter den meisten Fällen
In einer finnischen Klinikstudie untersuchten Karikoski und Kollegen (2011) 36 Pferde, die wegen Hufrehe vorgestellt wurden, und fanden bei 89 % Hinweise auf eine endokrine Erkrankung. Das ist eine Klinik mit 36 Tieren, keine Aussage über alle Fälle. Die beiden Erkrankungen dahinter sind das Equine Metabolische Syndrom (EMS) und die Dysfunktion der Pars intermedia der Hypophyse (PPID), die viele Halter als Cushing kennen.
Das Konsenspapier des European College of Equine Internal Medicine (ECEIM) zum EMS beschreibt das Syndrom als Bündel von Risikofaktoren für diese endokrine Hufrehe und nennt die Insulin-Dysregulation als wichtigsten davon. Das britische Royal Veterinary College (RVC) zählt Übergewicht zu den weiteren Merkmalen, weshalb ein dicker Mähnenkamm zählt und sich der Body Condition Score lohnt. Das Konsenspapier sagt aber auch, dass ein schlankes Pferd EMS haben kann. Ob ein Bluttest nötig ist, entscheidet der Tierarzt, nicht der Blick aufs Pferd.
Britische Kohortendaten zeigen, wer das Risiko trägt. In einer Studie mit 1.070 Pferden und Ponys, deren Daten die Halter selbst meldeten, fanden Pollard und Kollegen (2019) bei britischen Robustponyrassen eine höhere Hufreherate als bei allen anderen Rassen zusammen; eine kürzliche Gewichtszunahme und eine frühere Episode erhöhten sie weiter.
| Risikofaktor (britische Kohorte, 2014–2016) | Hazard Ratio |
|---|---|
| Britische Robustponyrasse (vor allem Welsh, Connemara, New Forest, Shetland und Kreuzungen) gegenüber allen anderen | 1,9 |
| Kürzliche Gewichtszunahme | 2,3 |
| Frühere Hufrehe, besonders eine, die kein Tierarzt diagnostiziert hat | 4,5 |
Ein Pferd, das einmal Hufrehe hatte, ist das Pferd, das sie am ehesten wieder bekommt. Eine Episode, die ohne Diagnose im Stall auskuriert wurde, ist das stärkste Warnsignal von allen.
Frühjahr und Herbst: das Gras macht keine Pause
Gras ist der Auslöser, an den die meisten zuerst denken, und das zu Recht. Die Zucker und die Stärke im Weidegras, die Nicht-Struktur-Kohlenhydrate, können im Versuch Hufrehe auslösen und sich im Gras auf mehr als 400 g pro Kilogramm Trockenmasse anreichern, so Longland und Byrd (2006). Eine Studie, die das RVC in seiner Forschungsübersicht zur Hufrehe zusammenfasst, fand über sechs Jahre die meisten Fälle im Mai und mehr Hufrehe bei mehr Sonnenstunden.
Das Frühjahr ist aber nicht die ganze Geschichte. Dieselbe britische Halterkohorte verzeichnete Hufrehe übers ganze Jahr, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Jahreszeiten. Der Herbst hat seine eigene Falle: Der amerikanische Leitfaden der Oregon State University zur weidebedingten Hufrehe schreibt, dass durch Kälte oder Trockenheit gestresstes Gras mehr Zucker enthalten kann als dasselbe Gras ohne Stress, und rät, nach dem ersten Herbstfrost einige Wochen nicht zu weiden.
Derselbe Leitfaden schlägt vor, gefährdete Pferde von 10 bis 22 Uhr von der Weide zu holen, wenn der Zuckergehalt am höchsten ist, und bei üppigem Gras einen Paddock ohne Bewuchs oder einen Fressbremse-Maulkorb zu nutzen. Das sind die Stellschrauben. Wie viel Weidegang ein bestimmtes Pferd verträgt, klären Sie mit Ihrem Tierarzt, denn das hängt von Insulin, Gewicht und Vorgeschichte des Pferdes ab.
Was Tierarzt und Hufschmied tun
Ihr Tierarzt sichert die Diagnose, bekämpft den Schmerz und sucht die Ursache. Mitchell und Kollegen beschreiben die üblichen Werkzeuge: entzündungshemmende Schmerzmittel, Kühlen der Hufe in Eiswasser, Unterstützung von Strahl und Trachten, eine tief eingestreute Box und seitliche Röntgenbilder, die zeigen, ob sich das Hufbein gedreht hat oder abgesunken ist. Das Merck-Handbuch nennt das Kühlen die wirksamste Behandlung im frühen, akuten Stadium. Welches Mittel in welcher Dosis und wie lange, entscheidet Ihr Tierarzt.
Wenn die Röntgenbilder zeigen, wo das Hufbein steht, planen Tierarzt und Hufschmied Bearbeitung und Beschlag gemeinsam. Laut der Übersicht des RVC lebten acht Wochen nach Beginn der Episode noch 95 % der in Haustierarztpraxen behandelten Tiere, 59 % wurden wieder geritten, und keine Therapie und kein Hufschutz war den anderen überlegen. Geringeres Körpergewicht und eine mildere Episode gingen mit dem Überleben einher.
Auf lange Sicht zählt die Ursache. Findet der Tierarzt EMS oder PPID, geht es um Gewicht, Fütterung und Bewegung, abgestimmt mit ihm. In der britischen Kohorte waren Folgen der Hufrehe der häufigste gesundheitliche Grund für eine Euthanasie, ein Viertel der 80 erfassten Fälle, so Pollard und Kollegen (2020). Deshalb sollten Sie die erste Hufrehe beim Pferd als die Warnung nehmen, die sie ist.
Was Hoofine dabei tun kann
Wir sind ein Marktplatz, keine Klinik, und wir können Ihnen nicht sagen, ob ein Pferd Hufrehe hat. Wir können Ihnen helfen, die Leute zu finden, die es können: die Tierärzte und Hufschmiede in unserem Verzeichnis. Wenn Sie kaufen, fragen Sie den Verkäufer direkt, ob das Tier je Rehe hatte, denn eine frühere Episode ist der stärkste Risikofaktor in der Tabelle oben, und lassen Sie die Hufe bei einer Ankaufsuntersuchung von Ihrem eigenen Tierarzt ansehen.



