Zwei Jahre Reitunterricht auf Schulpferden, Ihre Reitlehrerin sagt, Sie seien so weit, und in jeder zweiten Anzeige steht „ideal für Einsteiger“. Also suchen Sie nach Pferderassen für Anfänger und finden auf jeder Liste dieselben fünf, sechs Namen. Die Listen haben recht, was eine Tendenz angeht, und unrecht mit dem, was sie daraus versprechen: Eine Rasse sagt, wofür ein Pferd gezüchtet wurde, und nichts darüber, was dieses eine gelernt hat.
Dieser Text ist für alle, die ihr erstes eigenes Pferd kaufen. Er zeigt, was die Forschung über Rasse und Wesen weiß, was die Zuchtprogramme selbst sagen und was das erste Jahr stärker bestimmt als jedes Etikett: Alter, Ausbildung, Größe und ein gründliches Probereiten.
Was eine Rasse verrät und was nicht
Unterschiede im Temperament zwischen Rassen gibt es, und sie sind gemessen worden. Lloyd und Kollegen werteten Persönlichkeitsfragebögen zu 1.223 Pferden aus acht Rassen aus. Ängstlichkeit und Erregbarkeit unterschieden sich von Rasse zu Rasse am stärksten, Dominanz und Schutzverhalten am wenigsten. In einer späteren US-Umfrage mit 847 Antworten von Sackman und Houpt standen Araber, Vollblüter, Saddlebreds und Walking Horses am nervösen Ende, Quarter Horses, Paints, Appaloosas und Kaltblüter am ruhigen.
Beide Ergebnisse beruhen darauf, dass Besitzer ihre eigenen Pferde einschätzen, und beide nennen Durchschnitte. Über das Pferd in einer bestimmten Anzeige sagen sie nichts. Als ein anderes Team 702 Pferde durch standardisierte Verhaltenstests schickte, zeigte sich, dass Rasse und Vater vor allem die Reaktion auf Neues zu beeinflussen schienen. Wie ein Pferd lernt und wie es die Trennung von Artgenossen verkraftet, schien stärker an der Art seiner Arbeit zu hängen. Die Zucht legt einen Ausgangspunkt fest, Umgang und Arbeit verschieben ihn.
Pferderassen für Anfänger: was die Zuchtprogramme selbst sagen
Die Namen auf den Listen sind nicht erfunden. Für jede dieser Rassen gibt es ein Zuchtprogramm mit einem Zuchtziel, auch für das Wesen. Zitiert sind hier die Programme des Zuchtverbands für deutsche Pferde (ZfdP) und die Texte der Rasseverbände.
| Rasse | Was das Zuchtprogramm sagt | Größe, die es nennt |
|---|---|---|
| Haflinger | ZfdP-Programm: „ein edles, gutmütiges, leistungsbereites und genügsames Pferd“, zum Reiten und Fahren „für Erwachsene und Kinder“ | ca. 144 bis 152 cm; im dort abgedruckten Zuchtziel des Ursprungszuchtbuchs höchstens 155 cm |
| Islandpferd | ZfdP-Programm: ein Reitpferd, „das vielseitig einsetzbar und für verschiedene Typen von Reitern geeignet ist“, „sehr kooperativ, positiv und leistungsbereit“ | ca. 135 bis ca. 146 cm; der Islandpferdeverband IPZV nennt 135 bis 150 cm |
| Fjordpferd | ZfdP-Programm: „ein robustes, anspruchsloses, ausgeglichenes, gelehriges, leistungsstarkes und langlebiges Reit-, Fahr- und Familienpferd“. Die IG Fjordpferd: „unter den meisten Umständen ruhig“ | ca. 135 bis 150 cm |
| Tinker | ZfdP-Programm: „ein umgängliches, charakterlich einwandfreies, unkompliziertes, nervenstarkes und zuverlässiges Pferd“ für die „Reit- und Fahrzwecke des Breitensports“ | ca. 135 bis 160 cm |
| Deutsches Reitpony | ZfdP-Programm: „ein sportliches, elegantes und vielseitiges Reitpony für Freizeit und Sport“, „sehr gut für Kinder und Jugendliche geeignet“ | ca. 138 bis 148 cm |
| Hannoveraner | Grundsätze des Hannoveraner Verbands: eine Rasse, „die für den Reitsport besonders geeignet ist“; erwünscht ist ein Charakter „umgänglich, aber sensibel, unkompliziert“ | Endmaß um einen Mittelwert von 168 cm |
Drei Dinge fallen auf. Erstens kommt das Wort Anfänger in keinem dieser Programme vor, „Einsteiger“ ebenso wenig. Am nächsten kommen „Familienpferd“ beim Fjord und „Breitensport“ beim Tinker. Das Anfängerpferd ist eine Kategorie der Ratgeberlisten, nicht der Zuchtbücher.
Zweitens trennt eine ruhig klingende Wesensklausel keine Freizeitrasse von einer Sportrasse. Das ZfdP-Programm für das Deutsche Pferd, ein Reitpferd „mit der Anlage zu sportlichen Leistungen“ ab 158 cm Stockmaß, wünscht ein „unkompliziertes, umgängliches, gleichzeitig einsatzfreudiges, nervenstarkes und verlässliches Reitpferd“. Beim Reitpony meint „für Kinder“ junge Reiter im Sport: Erwünscht ist ein „für Reit- und Sportzwecke jeder Art insbesondere für Kinder geeignetes Pony“. Und der IPZV spannt beim Islandpferd den Bogen bis zum „temperamentvollen, leistungsstarken Sportpartner“.
Drittens ist jede Zeile der Tabelle ein Zuchtziel. Sie beschreibt, worauf Züchter selektieren, und sichert Ihnen nichts zu über den Sechsjährigen in der Anzeige.
Verlasspferd, Lehrpferd, Cob: Etiketten ohne Zuchtbuch
„Verlasspferd“ und „Lehrpferd“ sind Beschreibungen des Verkäufers für ein älteres, gut ausgebildetes Pferd. Kein Verband, dessen Texte wir für diesen Beitrag gelesen haben, definiert oder vergibt diese Wörter. Fragen Sie, was das Pferd gemacht hat, wie lange und mit wem, und sehen Sie ihm dann dabei zu.
Ähnlich steht es mit dem Cob. Das britische Regelwerk der British Show Horse Association nennt ihn „a type rather than a breed“, also einen Typ. In Deutschland ist der Tinker dagegen als Rasse eingetragen, und die Spanne von 135 bis 160 cm zeigt, wie viel unter einem Namen Platz hat. Ein „Tinker-Typ“ ohne Papiere beschreibt eine Körperform und hat über sein Benehmen nichts versprochen.
Was ein Pferd für Anfänger ausmacht: Alter und Ausbildung
Der klassische Fehler beim ersten Pferd hat mit der Rasse nichts zu tun. Eine deutsche Verbandsempfehlung für das erste eigene Pferd haben wir nicht gefunden, deshalb zwei ausländische. Der Kaufratgeber der British Horse Society rät Erstbesitzern, sehr junge, noch nicht angerittene oder „grüne“ Pferde zu meiden und eines zu wählen, das schon verlässlich unter dem Sattel geht. Das Merkblatt der Rutgers University in New Jersey wird deutlicher: Ein unerfahrenes Pferd sollte nie für einen unerfahrenen Reiter gekauft werden, und nur erfahrene Reiter können ein junges Pferd ausbilden. Ein vierjähriger Haflinger ist immer noch ein Vierjähriger.
Ein Alter in Jahren nennt keine der beiden Stellen. Die „zehn bis fünfzehn Jahre“ aus den Listen mit Pferderassen für Anfänger haben keine Quelle. Rutgers ergänzt: Ein älteres Pferd kostet oft weniger und hat mehr Ausbildung hinter sich als ein jüngeres von ähnlicher Qualität. Das verändert die Rechnung dazu, was ein Pferd in der Anschaffung kostet.
Umgekehrt standen Araber und Vollblüter in der US-Umfrage am nervösen Ende, aber auch das ist ein Durchschnitt. Beurteilen Sie die Jahre ruhiger Arbeit, bevor Sie das Zuchtbuch beurteilen.
Größe und Reitergewicht: was ein Pferd tragen kann
Das Stockmaß zählt weniger, als die Listen der Pferderassen für Anfänger nahelegen. Das Haflinger-Programm nennt Reiten und Fahren „für Erwachsene und Kinder“, und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) hält fest, dass Islandpferde seit Jahrhunderten für erwachsene Reiter gezüchtet werden. Entscheidend ist, ob dieses eine Pferd Sie tragen kann.
Die deutsche Quelle dazu ist das Merkblatt 185 der TVT von 2019. Gemeint ist der Reiter samt kompletter Ausrüstung. Rund 15 Prozent der Körpermasse des Pferdes nennt die TVT „realistisch und akzeptabel“, wenn man Trainingszustand, Art der Leistung und Pferdetyp berücksichtigt. Belastungen von 25 oder gar 30 Prozent sieht sie nach derzeitigem Wissensstand als tierschutzwidrig an. Bei einem Pferd von 500 Kilogramm sind 15 Prozent 75 Kilogramm, den Sattel eingerechnet.
Andere rechnen anders. Die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) nennt in ihrem Positionspapier von 2019 als Faustregel 15 Prozent vom Idealgewicht des Pferdes bei alten, jungen, untrainierten oder gesundheitlich beeinträchtigten Pferden, 17,5 Prozent bei Reiteinsteigern und Gelegenheitsreitern und 20 Prozent als Obergrenze für alle anderen Reiter, ebenfalls mit Ausrüstung. Für dasselbe Pferd mit 500 Kilogramm Idealgewicht wären das 75, 87,5 und 100 Kilogramm. Der niederländische Verband KNHS spricht von 15 bis 20 Prozent. Eine staatliche Stelle legt keinen Wert fest: Die Leitlinien des Bundes zum Tierschutz im Pferdesport nennen „zu schwere Reiter“ als Beispiel für Überlastung, aber keine Zahl.
Die British Horse Society nennt ebenfalls keine Prozentzahl, weist aber darauf hin, dass Anfänger oft weniger ausbalanciert sitzen und eine solche Last schwerer zu tragen ist. In der bekannten Pilotstudie von Dyson und Kollegen von 2020 ritten vier unterschiedlich schwere Reiter jeweils sechs Pferde. Alle dreizehn Tests mit den beiden schwersten Reitern, die 15,3 bis 17,9 und 23,6 bis 27,5 Prozent der Körpermasse ihrer Pferde wogen, wurden vorzeitig abgebrochen, zwölf davon wegen vorübergehender Lahmheit. Beim mittelschweren Reiter war es einer von zwölf.
Die Autoren nennen ihre Grenzen selbst: Sättel, die nicht in jeder Paarung passten, und Abbruchkriterien, die subjektiv waren. Lesen Sie die Zahlen als Warnung, nicht als Schwelle, und fragen Sie im Zweifel vor dem Kauf Ihren Tierarzt und einen Sattler.
Erst probereiten, dann die Ankaufsuntersuchung
Beim Probereiten zeigt sich das Wesen. Die British Horse Society rät, zuzusehen, wie das Pferd geholt, geputzt und gesattelt wird, den Verkäufer zuerst reiten zu lassen und dann so zu reiten, wie Sie es später vorhaben. Rutgers empfiehlt, mehrmals wiederzukommen und mit dem Pferd ins Gelände zu gehen, vorbei an Autos, Fahrrädern und Hunden. Nehmen Sie Ihre Reitlehrerin mit; wenn Sie keine haben, ist ein Trainer, der den Verkäufer nicht kennt, sein Honorar wert. Eine Probezeit gehört schriftlich vereinbart.
Die Ankaufsuntersuchung kommt danach und beantwortet eine andere Frage. Die Utah State University Extension hält fest, dass eine tierärztliche Untersuchung vor dem Kauf der beste Schutz bei Gesundheit und Belastbarkeit ist, Temperament, Ausbildung und Können des Pferdes aber womöglich nicht vollständig beurteilt. Was eine Ankaufsuntersuchung abdeckt, steht in einem eigenen Beitrag. Ob es überhaupt ein Pferd dieser Art sein soll, finden Sie mit einer Reitbeteiligung günstiger heraus.
Wo wir ins Spiel kommen
Hoofine kann Ihnen nicht sagen, wie sich ein Pferd reitet, und „anfängergeeignet“ in einem Inserat ist die Beschreibung des Verkäufers, nichts, was wir prüfen. Was die Seite kann, ist die Suche eingrenzen: Pferde zum Verkauf lassen sich nach Rasse und Alter filtern, und mit einem Eintrag auf dem Gesuchbrett beschreiben Sie Alter, Ausbildungsstand und Größe, die Sie brauchen, und lassen die Rasse offen. Das ist meist der bessere Auftrag.



